Update : Ab Freitag Tornadogefahr an der Nordsee

Aktualisiert am : by Angelo D Alterio

Schon seit ein paar Tagen deutet es sich an, nun werden die Modellrechnungen konkreter: Die sommerlichen Zeiten sind spätestens am kommenden Wochenende erst einmal vorbei. Und nicht nur das, damit verbunden sind auch Schauer und Gewitter mit der Gefahr von einzelnen Tornados.

Angelo hat es bereits angedeutet, zum Ende dieser Woche erwartet uns eine Umstellung der Großwetterlage und die sommerliche Warmluft wird nach Osteuropa abgedrängt. Mit der Wetterumstellung sind aber nicht nur niedrigere Temperaturen und Niederschläge verbunden, an der Nordsee bahnt sich ein besonderes Phänomen an, das besonders am Ende eines sehr warmen Sommers häufiger auftritt: Möglicherweise bilden sich ab dem kommenden Freitag bis über das Wochenende auf der Nordsee vermehrt Tornados, die vereinzelt auch mal auf Schiffe, Inseln oder das Festland treffen könnten.

Wer also noch seinen Sommerurlaub an der Nordsee verbringt – immerhin haben auch am kommenden Wochenende noch drei Bundesländer Ferien (NRW, Baden-Württemberg und Bayern) -, sollte beim Auftauchen von Schauern oder dicken Quellwolken auch mal einen Blick unter die Wolke werfen und darauf achten, ob sich darunter ein Tornadorüssel bildet. Entsteht ein Tornado über einer Wasserfläche, spricht man auch von einer Wasserhosen (über Land Windhose). Wo gerade Schauer oder auch Gewitter unterwegs sind, sieht man in unserem hoch aufgelöstem Wetterradar.

Die Animation zeigt die Temperaturen in rund 5,5 km Höhe von Donnerstag bis Montag aus dem globalen europäischen Modell (orange ist warm und blau steht für kalt)

Warum erhöhte Tornadogefahr?

Tornados können sich einerseits im Bereich von starken Gewittern mit einem rotierenden Aufwindbereich bilden. Halten sich diese Gewitter längere Zeit, spricht man auch von so genannten Superzellen. Was weniger bekannt ist: Tornados können sich ebenso an ganz normalen Schauern oder sogar schon an dickeren Quellwolken ganz ohne Niederschlag bilden.

Diese Art der Tornadoentstehung tritt vor allem bei großen Temperaturgegensätzen zwischen der bodennahen Luft und kalter Luft in größeren Höhen auf. Nach den warmen Sommermonaten sind Nord- und Ostsee sowie die meisten Binnenseen aufgeheizt. Bei den ersten Kaltluftvorstößen nach einem warmen Sommer sind die vertikalen Temperaturgegensätze besonders groß.

Die noch warme Nordsee heizt die Kaltluft in der untersten Schicht auf, die Temperaturen liegen hier bei 17 bis 20 Grad. Die Animation der Temperaturen in rund 5,5 Kilometer Höhe zeigt, dass die Temperaturen hier auf -23 bis -25 Grad sinken. Damit stellen sich vor allem im Bereich der Nordsee enorme Temperaturgegensätze zwischen unten und oben ein.

Vor allem am Samstag weht in der Höhe (hier rund 1,5 km) nur schwacher Wind.

Wenig Höhenwind

Damit sich Tornados bei einer solchen Wetterlage überhaupt ausbilden können, sollte der Höhenwind nicht allzu stark wehen. Sonst wird die aufsteigende Luft förmlich verweht und ein stabiler Wirbel kann sich nicht ausbilden. Für die Tornadoentstehung bei solchen Schauerwetterlagen ist also möglichst wenig Scherung (Windunterschied zwischen unten und oben) wichtig. Anders verhält es sich bei den starken Gewittern, wo starke Windscherung die Tornadobildung begünstigt.

Archivfoto: Tornado auf der Ostsee

Sind solche Tornados gefährlich?

Ja, wie alle Tornados. Allerdings hat sich gezeigt, dass die stärksten Tornados mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 km/h sich fast durchweg im Bereich der Superzellen entstehen. Dennoch sind auch die Schauertornados, zu denen die meisten Wasserhosen zählen, nicht ungefährlich. Vor allem kleinere Boote können durchaus kentern, wenn sie in einen Tornado geraten. Trifft ein Tornado aufeine Insel oder auf das Festland, können Strandkörbe und andere Gegenstände verschoben oder sogar durch die Luft gewirbelt werden.

Rückblick auf den Spätsommer 2006

Einzelne Tornados treten auf den deutschen Gewässern in fast jedem Spätsommer und Herbst auf. In manchen Jahren sind die Wasserhosen allerdings deutlich häufiger. So wurden im August 2006 nach dem legendären „Sommermärchen“ (Fußball-WM) allein im Monat August auf Nord- und Ostsee mehr als 50 bestätigte Tornados registriert, dazu kommt noch eine hohe Dunkelziffer.

Von diesen gut 50 Tornados zogen mindestens 4 auf Land und richteten hier Schäden an. Am 03. August 2006 fiel den Besatzungen einiger Boote im Bereich vor Büsum und St. Peter-Ording vor der schleswig-holsteinischen Westküste sogar das Navigieren schwer zwischen den zahlreichen Tornados. Alle bekannten Tornados in Deutschland sind in der Tornadoliste Deutschland aufgelistet. Die Radarbilder von damals sind im Radararchiv zu finden, zum Beispiel das Bild zur Mittagszeit am 03. August 2006 mit zahlreichen Schauern, die von Schleswig-Holstein bis zu den Ostfriesischen Inseln reichten.

Über Thomas Sävert 3 Artikel
Stammt aus dem hohen Norden Deutschlands. Spezialgebiete sind Stürme aller Art, seit den 1980er Jahren tropische Wirbelstürme und seit den 1990er Jahren Tornados, besonders in Deutschland. Er war mehr als 12 Jahre im Unwetterwarndienst tätig.