Analyse der Gewitterlage mittels Satellitenbild und Radiosondenaufstiege !

Aktualisiert am : by Marie Vosmik

Bei der sogenannten Analyse für den Nowcast ( Ermittlung des Istzustandes und Prognose der nächsten 2 Stunden ), werden das Radar und das Satellitenbild verwendet. Zudem schaut man sich die Radiosondenaufstiege an.

Radiosonden hängen an den Wetterballonen,  die an verschiedenen Wetterstationen auf der Welt, zur gleichen Zeit, 4 mal am Tag gestartet werden. Die Ergebnisse bzw. Daten zeigen quasi einen Querschnitt der Atmosphäre. Mit weiteren mathematischen Formeln sind erweiterte Indizen ermittelbar.

Das Satellitenbild zeigt markante Gewittergebiete, wo es schon zu unwetterartigen Entwicklungen kam. Aus Frankreich nähert sich ein weiterer Wolkenbatzen, der aus Gewittern besteht. Gleichzeitig rückt von Westen allmählich eine Kaltfront ostwärts voran.

Ich habe dementsprechend mal die möglichen Flächen erfasst, wo es heute noch heftig zur Sache gehen könnte und wo es eher gemäßigter zugeht, was aber keine 100% Sicherheit gibt.

Die Wolkentops ( Ambosse ) liegen bei einer Gleichgewichtstemperatur von 55 bis 60 Grad. Die Zellen bewegen sich in nordöstlichen Richtung und werden gleichzeitig auch allmählich ostwärts gedrückt.

Schauen wir auf die Radiosondenaufstiege von heute Mittag.

Wir sehen hier den Radiosondenaufstieg von Essen in NRW. Dabei fällt zunächst die rote Fläche auf. Das ist die für Konvektion verfügbare Energie ( Cape ). Die 1308 j/kg sind schon recht ordentlich. Mit diesem Wert kann man die mögliche Aufwindgeschwindigkeit errechnen.

In diesem Fall ergibt sich ein Ergebnis von 36.16 m/s, was in etwa einer Geschwindigkeit von 130 km/h entspricht. Schaut man auf das EL = Gleichgewichtsniveau ( Höhe des Ambosses ), so sieht man an der Temperaturlinie (Isotherme), dass diese bei knappen -60 Grad liegt, als wie schon oben erwähnt die Wolkentopstemperaturen.

Der PPW von 28.4 mm zeigt uns das genügend niederschlagbares Wasser vorhanden ist für Starkregenereignisse. Der KO-Index von – 10 K zeigt uns eine sehr deutlich potentielle instabile Luftmasse. Der LI = Lifted Index zeigt mit -4K eine deutliche Labilität. Das bedeutet, das für Gewitter schon einige Zutaten vorhanden sind wie z.B. Labilität, Feuchte, Energie. Kommt der Hebungsimpuls, so können sich dann Gewitter entwickeln. Der TT-Index von 50 zeigt das Gewitter als wahrscheinlich gelten.

Jetzt nehmen wir noch den Radiosondenaufstieg von Meiningen und sehen, dass hier sogar noch mehr Energie steckt und das gleich 500 j/kg mehr. Das bedeutet eine Aufwindgeschwindigkeit von 43 m/s, was in etwa eine Geschwindigkeit von 155 km/h entspricht. Auch hier liegt das Gleichgewichtsniveau in dem Temperaturbereich, der durch das Satellitenbild analysiert werden konnte. Auch zeigt der KO-Index eine deutliche potentielle Instabilität und der Lifted Index mit -5K eine deutliche Labilität. Der Gehalt an niederschlagbaren Wasser ist etwas niederiger und auch der TT-Index ist etwas niederiger. Das liegt daran das die Gewitter in Meiningen und Umgebung deutlich später erwartet werden.

Mit diesen Ergebnissen lässt sich sagen, dass genügend Energie für den Fortbestand der Gewitterlage vorhanden ist. Zudem auch die potentielle Instabilität und auch die Labilität sowie Feuchte. Somit reicht ein Hebungsimpuls wie durch eine Front, eine Konvergenz oder einen Berg aus und schon ist ein mögliches Gewitter da.

Aus solchen Sondenaufstiegen lässt sich zudem auch die vertikale Windscherung ermitteln. Die Scherung kann als Geschwindigkeitsscherung auftreten, das bedeutet zunehmende Windgeschwindigkeit mit der Höhe oder Richtungsscherung, das bedeutet Richtungsänderung mit der Höhe. Es können auch beide gleichzeitig auftreten. Die vertikale Windscherung kann zusätzliche Energie produzieren, die den Gewittern zur Verfügung steht. Die vertikale Windscherung greift aber erst dann, wenn Schauer und Gewitter entstehen.

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Meine Spezialgebiete: Synoptik,Radarmeteorologie,Satellitenmeteorologie, Karten lesen und analysieren, Radiosondenaufstiege auswerten