Anhaltende Dürre trocknet Flüsse aus

Die vergangenen Monate waren in vielen Teilen Deutschlands extrem trocken, im Monat Juli fielen von Schleswig-Holstein bis zum Niederrhein gebietsweise nur 1 bis 2 Liter Regen pro Quadratmeter, im langjährigen Mittel fallen zum Beispiel in Kleve 77 Liter. Auch die Monate davor waren im Norden und Nordwesten Deutschlands verbreitet sehr trocken. Die Dürre wirkt sich auf die Ernten aus und die Wasserstände der meisten Flüsse sind inzwischen extrem niedrig. Daran ändern auch lokale Gewitter mit Starkregen nur wenig.

So vertrocknet sehen am Niederrhein derzeit sehr viele Felder aus, das Foto wurde bei Wesel aufgenommen.

Schon seit dem Frühjahr fallen Niederschläge vor allem in der Mitte und im Norden Deutschlands eher sporadisch durch lokale Unwetter. Gebietsweise ist in diesem Jahr nur etwa die Hälfte der durchschnittlichen Menge gefallen, so im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. In Querfurt kamen seit dem 01. Januar bisher nur etwa 150 Liter Regen pro Quadratmeter zusammen, im Mittel sind es in den ersten 7 Monaten des Jahres 323 Liter.

Extremes Niedrigwasser

Einige kleinere Flüsse reagieren immer wieder mal kurzzeitig auf örtliche Unwetter. Anders sieht es in den  großen Flüssen wie Rhein, Elbe und Oder aus. Die Wasserstände des Rheins liegen verbreitet im Bereich der bisherigen Rekordwerte für die Jahreszeit und nähern sich allmählich auch den Allzeitrekorden an. Meist fehlen nur noch 40 bis 50 Zentimeter bis zu den Rekordwerten. In Düsseldorf zeigte der Pegel am Freitagmorgen gerade noch 88 Zentimeter an, der bisherige Rekord wurde mit 38 Zentimetern am 30. September 2003 gemessen. Ähnlich sieht es in Wesel aus, hier waren es am Freitagmorgen 154 Zentimeter, der Rekord vom 01.10.2003 liegt bei 111 Zentimeter. Die tiefsten Wasserstände werden am Rhein üblicherweise erst im Spätsommer und Herbst erreicht, wenn aus den Alpen kaum noch Schmelzwasser kommt.

In vielen Flussabschnitten gibt es bereits größere Einschränkungen für den Schiffsverkehr, die Schiffe dürfen nicht mehr voll beladen werden. Für die gleiche Ladung werden daher mehr Schiffe benötigt, allein im Hafen Duisburg sind dies pro Tag etwa 90 zusätzliche Schiffe.

Das Bild zeigt die Lippe bei Wesel, kurz vor der Mündung in den Rhein, dazu die vertrocknete Landschaft. Rechts im Hintergrund erkennt man die Rheinbrücke von Wesel.
Zum Vergleich: An derselben Stelle wurde dieses Foto bei einem mittleren Hochwasser im Januar 2018 aufgenommen. Zur Orientierung: Rechts hinten ist wieder die Rheinbrücke von Wesel zu erkennen.

Ähnlich sieht es in den meisten anderen Flüssen in Deutschland aus mit entsprechenden Einschränkungen für den Schiffsverkehr. In Dresden lag der Pegelstand in den vergangenen Tagen zeitweise sogar unter 50 Zentimeter und auch die Ausflugsboote hatten nicht mehr ausreichend Wasser unter dem Kiel. Zwischenzeitlich wurde in Tschechien Wasser aus Stauseen abgelassen und der Pegel erholte sich minimal. Stabil bleibt die Weser, da sie aus dem Edersee in Hessen gespeist wird und so der Fluss auf ganzer Länge schiffbar bleibt.

Wie sieht es in den Stauseen aus?

Die Abgabe von Wasser aus dem Edersee an die Weser hat zur Folge, dass der Edersee täglich mehr als 2 Millionen Kubikmeter Wasser verliert. Der Füllstand des Stausees in Nordhessen lag am Freitagmorgen noch bei 43 Prozent. Nach und nach tauchen alte Bauwerke aus dem See auf, im See befinden sich aber noch rund 85 Millionen Kubikmeter Wasser. Der Wasserstand der Stauseen im Harz liegt noch bei 45 bis 70 Prozent. Die Talsperren des Ruhrverbandes in NRW sind im Mittel noch zu Dreiviertel gefüllt. Von einer Wasserknappheit kann also derzeit überhaupt nicht die Rede sein.

Wie geht es weiter?

Die erwarteten Regensummen aus dem europäischen ICON-Modell bis zum kommenden Dienstagabend.

Ein Ende der Trockenheit ist vorerst nicht in Sicht, nur gebietsweise sind nennenswerte Regenmengen zu erwarten, die aber vor allem für die Wasserstände der größeren Flüsse kaum ins Gewicht fallen. Damit dürfte sich mit kurzen Unterbrechungen der Rückgang der meisten Pegelwerte auch bis weit in die kommende Woche hinein fortsetzen. Im Rhein werden die Allzeitrekorde zunächst noch nicht geknackt, aber bis zum Herbst könnte es durchaus reichen. Erst einmal gilt: Die Hitzewelle setzt sich fort.

(Quelle der Fotos: Thomas Sävert)

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Über Thomas Sävert 3 Artikel
Stammt aus dem hohen Norden Deutschlands. Spezialgebiete sind Stürme aller Art, seit den 1980er Jahren tropische Wirbelstürme und seit den 1990er Jahren Tornados, besonders in Deutschland. Er war mehr als 12 Jahre im Unwetterwarndienst tätig.