Convective Outlook für Sonntag 13.05.2018

Aktualisiert am : by Markus Bensing

Am Sonntag steht wieder eine etwas größere Gewitterlage an und mit unserem Convective Outlook (Konvektive Prognose) wollen wir uns mit der aktuellen Modelllage und schlussfolgernd mit den bestehenden Wettergefahren durch konvektive Ereignisse (Schauer, Gewitter) befassen.

Synoptische Übersicht:

Ausgehend von einem Tief über dem Atlantik bildet sich morgen vom Nordwesten bis in den Süden eine Tiefdruckrinne aus, wobei sich über Bayern ein kleines Bodentief entwickelt. Während hinter der Tiefdruckrinne eine relativ kalte Luftmasse mit einer quasi-stationären Kaltfront herangeführt wird, findet vorderseitig Advektion von einer wärmeren energieträchtigen Luftmasse mit ThetaE-Werten von über 43°C von Österreich und Tschechien statt. Die Advektion dieser Luftmasse wird durch das Bodentief über Bayern noch weiter gestützt.

Folgend bildet sich im Laufe des morgigen Tages eine Luftmassengrenze diagonal über Deutschland aus, welche ein markant konvergentes Windprofil aufweist. Dadurch wird genug Hebung für die Schauer- und Gewitterauslöse im energieträchtigen Warmluftsektor generiert.

Zwischen einem Höhentrog über Spanien und einem Höhentief über der Ukraine ist über Deutschland ein kleiner Höhenkeil anzutreffen, der für schwache Höhenwinde sorgt.

Modelllage:

Schauen wir uns mal die aktuelle Modelllage an mit einem Vergleich von den bei uns angebotenen Modellen.

CAPE:

Alle Modelle rechnen in etwa der gleichen Position mit einer instabilen Luftmasse für 14 Uhr. Dabei sieht das ICON-EU (bis ca. 700 J/kg) weniger MLCAPE als das COSMO-DE (bis ca. 1000 J/kg). AROME sieht derweil ein Maximum von SBCAPE ganz im Nordwesten auch mit Werten ein bisschen über 1000 J/kg.

CAPE (Convective Available Potential Energy) ist grob gesagt die Energie, die den Gewittern zur Verfügung steht. Je mehr CAPE, desto höher kann die Aufwindgeschwindigkeit werden. Die Energie muss aber durch andere Auslöser auch umgesetzt werden. CAPE ist kein Garant für Gewitter.

   

Windscherung:

Wie bereits in der synoptischen Übersicht erwähnt, haben wir es mit schwachen Höhenwinden zutun, welche die Gewitter nicht schnell ziehen lassen. Veranschaulicht wird das anhand unserer neuen Windscherungskarten für 14 Uhr. Die Windscherung ist der Unterschied der Windgeschwindigkeit in der Höhe zum Boden.

 

(Raufklicken für die vergößerte Version)

An den Windpfeilen sehen wir, dass der Höhenwind nur schwach ausgeprägt ist. Trotzdem erreicht die Scherung besonders im Südwesten Werte von bis zu 15 m/s. Das reicht aus um den Aufwind vom Abwind zu trennen und Multizellen entstehen zu lassen. Inwieweit die Konvergenz aber dafür sorgt, dass die Zellen überhaupt in diesen Bereich hinein entstehen können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Außerdem sind hier die Windvektoren sehr interessant. Diese Zeigen nämlich direkt westlich der Konvergenz in die südliche Richtung am Boden und nordwestliche Richtung in der Höhe. Das bedeutet, dass ein Gewitter sich leicht in den Nordwesten bewegt, durch den kalten Abwind am Boden, der sich in den Süden ausbreitet, aber genau wieder am selben Ort ein neues Gewitter entsteht. Wenn dieser Zyklus morgen mehrmals durchgangen werden sollte, sind die Multizellen quasi-stationär und können sehr viel Niederschlag auf einen Ort bringen.

Akkumulierte Niederschlagsmenge:

In der akkumulierten Niederschlagsmenge der Modelle ICON-EU und COSMO-DE können wir in etwa abschätzen, wie viel Niederschlag da in den Gewittern morgen zusammenkommen kann. ICON-EU, dass die Gewitter nicht echt simuliert, sondern nur parametrisiert, sieht nicht ganz soviel Niederschlag insgesamt wie COSMO-DE, aber auch dort können wir Bereiche ausmachen, die lokal 50l/m² in der Gesamtmenge überschreiten.

COSMO-DE sieht das ganze noch dramatischer mit ganz lokalen maximalen Mengen um die 90l/m², ansonsten 60-70l/m². Das sind enorme Mengen, die komplette Straßenzüge überschwemmen lassen.

Außerdem sei dazu angemerkt, dass COSMO-DE diese Mengen aus seiner Konvektionssimulation ableitet. Und diese erfasst im momentanen Lauf keine kräftigen quasi-stationären Multizellen, wie im Abschnitt Windscherung beschrieben. Daraus folgt, dass wir uns Gesamtniederschlagsmengen über 100-110 l/m² morgen sehr gut vorstellen können.

Simulierte Radarreflektivität

In unseren Karten für die simulierte maximale Radarreflektivität können wir die von COSMO-DE und AROME berechnete Gewitterabdeckung sehen für 17 Uhr sehen. AROME schlägt da bekanntermaßen immer ein bisschen über die Stränge. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Mittelmaß beider Modelle immer ein guter Ansatz für die tatsächliche Abdeckung ist. Auch vereinzelte leichte Hagelsignale sind mit dabei. In der Position der Gewittergebiete sind sich beide Modelle aber ziemlich gut einig.

Maximale Windböen

Zu guter letzt wollen wir uns auch die konvektiv induzierten Windböen anschauen, die beide Modelle COSMO-DE und AROME in ihrer Konvektionssimulation berechnen. Wir haben hier die Kartenzeitpunkte mit den höchsten berechneten Böen rausgesucht. Beide Modell sind sich da ziemlich einig. Aufgrund der schwachen Höhenwinde, kann sich kaum ausreichend Dynamik in den Gewittern entwickeln um extreme Windböen hervorzurufen.

Die stärksten Entwicklungen sehen beide Modelle im (nord-)westlichen Teil Deutschlands, wo lokal schwere Sturmböen bis 90-100 km/h gerechnet werden. Das sollte aber auch wirklich das absolute Maximum bleiben und in den meisten Gewittern sind eher mit Windböen um die 60-70 km/h zu rechnen.

Zusammenfassung / Warnlage

Am morgigen Sonntag sind an einer Luftmassengrenze diagonal über Bayern, Hessen, Thüringen, NRW und Niedersachsen markante Gewitter mit Unwetterfahr möglich (STUFE ROT)!

Dabei können lokal 6 stündige Niederschlagsmengen von bis zu 100l/m² auftreten! In einer Stunde sind 30-40l/m² möglich. Dadurch kann es zu Überflutungen von Straßenzügen, Unterführungen und Kellern kommen. Es wird empfohlen Maßnahmen zu ergreifen!

Zusätzlich sind in Gewitternähe Sturmböen von 70 km/h, im Nordwesten vereinzelt auch schwere Sturmböen von 80-90 km/h möglich.

Vereinzelt tritt auch Hagelschlag mit einem Korndurchmesser von maximal 2-3cm auf. Die größere Gefahr geht wegen der langsamen Verlagerungsgeschwindigkeit aber von Hagelansammlungen aus. Diese können lokal Höhen von 5-10cm erreichen.

 

In der Nacht von Samstag auf Sonntag und Sonntagmorgen sind in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland einzelne markante Gewitter möglich, mit Niederschlagsmengen von 20l/m² in wenigen Stunden.

 

INFO: Wie immer bei Gewitterlagen kann man nicht vorher genau sagen, wo die Gewitter auftreten werden. Auch morgen wird es wieder Orte geben, die trocken bleiben und Orte geben, die sehr stark betroffen sind.

 

 

Bitte verfolgt die Warnlage aufmerksam und nehmt die Warnungen ernst. Wir werden euch mit unseren Updates auf dem Laufenden halten.

Über Markus Bensing 29 Artikel
Zuständig für IT, Modellkarten, Warn-Software, Radarauswertungen, ausführliche Vorabberichte zu schweren Unwetterlagen, Unwetterwarnungen. Wohnhaft in Berlin gebürtig aus Halle an der Saale.