Neue Radarbilder erleichtern Tornadoforschung

Aktualisiert am : von Angelo D Alterio

In der Nacht zum 01.09.2015 zogen über Sachsen, den äußersten Osten Sachsen-Anhalts und die Südosthälfte Brandenburgs einzelne, teils heftige Gewitter hinweg. Auch der Südosten Berlins war davon betroffen. Die Gewitter waren mit Starkregen, Hagel und schweren Sturmböen verbunden, es gab erhebliche Schäden. In den Medien wurde sogar über „Windhosen“ berichtet, dem deutschen Synonym für Tornados. Da sich die Unwetter mitten in der Nacht ereigneten, gab es keine Augenzeugen und der Nachweis für einen nächtlichen Tornado ist nicht immer einfach. Dopplerradarbilder können aber in vielen Fällen zur Aufklärung von Tornadoverdachtsfällen beitragen.

Die markantesten Schäden gab es in der Gemeinde Niederer Fläming im südwestlichen Brandenburg. Hier wurden auf einer ehemaligen LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) Dächer abgedeckt und die einzelnen Dachteile wurden bis zu 300 Meter durch die Luft gewirbelt. Einzelne Teile schlugen sogar senkrecht in den Boden ein. Hier sieht man einige Dachteile auf den Wiesen zwischen den Wohnhäusern des Ortes Schlenzer:

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Das hoch aufgelöste Radarbild von kachelmannwetter.com zeigt die kräftige Gewitterzelle über dem Süden des Landkreises Teltow-Fläming, südlich der Stadt Berlin. Die Radarechos reichen bis in den violetten Bereich mit Hagel im Zentrum der Zelle.
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Quelle: http://kachelmannwetter.com/de/regenradar/deutschland/brandenburg/teltow-flaeming/20150831-2220z.html

Interessant ist dazu das Dopplerradarbild.

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Quelle: http://kachelmannwetter.com/de/dopplerradar/deutschland/brandenburg/teltow-flaeming/20150831-2220z.html

Das Dopplerradarbild zeigt nicht die Niederschlagsechos, sondern die Bewegung der Niederschlagsteilchen auf das Radar zu (grün) und vom Radar weg (rot) an. Je heller die Farbtöne sind, desto höher sind die Geschwindigkeiten in Bezug auf den Radarstandort. Liegen nun hellrote und hellgrüne Bereiche sehr nahe beieinander und nehmen quasi die Form eines Dipols an, deutet dies auf starke Rotation in dem betreffenden Bereich hin. In diesem Fall gehen beide Farben bis an den Anschlag der Skala mit mehr als 100 km/h in beiden Richtungen auf engstem Raum. Die Gewitterzelle weist also einen stark rotierenden Bereich auf. Die aufgetretenen Schäden mit erheblichen Verfrachtungen der Dachteile und mit Einschlägen in den Boden sind ebenfalls Tornadoindizien. Ein Tornado ist damit sehr wahrscheinlich. Die Untersuchung dieses Falls ist aber noch nicht abgeschlossen. Auch mehrere andere Fälle aus dieser Nacht werden noch untersucht. Die hochaufgelösten Radarbilder spielen dabei eine wichtige Rolle..

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Seit 2013 bin ich verantwortlicher Gesellschafter bei der Unwetteralarm Schweiz GmbH. Meine Leidenschaft ist die Meteorologie. Meine Spezialgebiete sind neben Unwetterwarnungen, auch Marketing, Medienmeteorologie und Produktmanagement . Geboren in den 1970er Jahren im hessischen Bad Vilbel