Saharastaub 31.03.-06.04.14

Hallo,

vergangene Woche gingen ja einige Wettervorhersagen gewaltig in die Hosen, davon waren auch wir mit unseren Vorhersagen betroffen.

Wir haben im Netz heute eine sehr gute Erklärung gefunden, die auch für Laien verständlich geschrieben ist. Diese möchten wir Euch natürlich nicht vorenthalten.

[...] zu den Fehlprognosen am Freitag und am Samstag. Ich denke nun inzwischen, dass beide vom Saharastaub verursacht wurden. Was war da los? An beiden Tagen lag über Mitteleuropa eine riesige Wolkendecke, die aus mit Eiskristallen überzogenen Staubpartikeln bestand. Nun gehen aber diese Schwebstoffe in die Berechnungen der Wettermodelle nicht ein, so dass diese Wolkendecke zwar in den Eingangsdaten (Beobachtungen) enthalten war, die Modelle aber immer mit deren sofortiger Auflösung rechneten, weil sie ja nicht wussten, dass es sich in Wirklichkeit um Staub handelte. Und so gingen die Wettermodelle stets von einem völlig wolkenlosen Himmel mit einer entsprechend starken Sonneneinstrahlung aus, während bei uns am Boden oft nur ein matter Schein ankam. Aber nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht lagen die Modell daneben, denn die Staubwolke lag wie eine wärmende Decke über uns und dämpfte die Abkühlung. Und da gibt es noch einen zweiten Aspekt: Die Wettermodelle rechnen zwar nicht mit der aktuellen Staubbelastung der Luft, ein statistisch ermittelter Staubwert passend zum Ursprung der Luftmasse geht aber schon ein, denn Staub fördert die Wolkenbildung und ganz ignorieren kann man ihn daher nicht. Nun war aber eben am Freitag und Samstag viel mehr Staub vorhanden, als die Wettermodelle annahmen. In der Kombination der beiden Effekte ergaben sich nun zwei Fehlervarianten. Variante 1 trat am Freitag auf: Die Saharawolken waren nicht so dicht (7 h Sonnenschein), die Sonne konnte die Luft auf 23 Grad erwärmen, durch die Wärmezufuhr bildeten sich Quellwolken, die durch den hohen Staubgehalt besonders kräftig ausfielen und sich unerwartet zu Schauern und Gewittern entwickelten. Variante 2 trat am Samstag auf: Die Saharawolken waren dicht (0 h Sonnenschein), maximal wurden nur 18 Grad erreicht, wodurch es gar nicht erst zur Bildung von Quellwolken kam und wo sich gar keine Quellwolken bilden, da bewirkt auch der Staub nichts, es kam zum totalen Flop.

Im Endergebnis war also jedesmal der Saharastaub der Übeltäter, einmal weil er die Schauerbildung förderte und einmal, weil er durch die Abschattung die Schauerbildung unterband. Hinterher ist man natürlich immer schlauer, bei einer solchen Lage kann man den Ergebnissen der Wettermodelle einfach nicht trauen. Nun war das für mich aber alles Neuland, denn dies war das erste Ereignis dieser Art seit mindestens zwanzig Jahren.

Die Quelle für die Prognose der Saharastaubwolken schlechthin ist die Universität Athen, deren Vorhersagen sich in den letzten Tagen ausgezeichnet mit den Satellitenbildern deckten:
http://forecast.uoa.gr/dustindx.php?domain=med

Wenn man die Staub-Prognosekarten verfolgt, fällt auf, dass es sich ja nicht nur um ein Problem der Verfolgung des bereits in der Luft vorhandenen Staubes handelt. Die Kunst ist ja vorauszuberechnen, wie viel Staub von welchen Böden aufgewirbelt wird. In der Sahara, wo die Böden eigentlich immer trocken sind, mag das noch relativ leicht gehen. Ein globales Wettermodell wie das GFS müsste aber weltweit vorausberechnen, was von welchen Böden hochgewirbelt wird, was natürlich wiederum davon abhängt, wie feucht die Böden sind und damit kommt man dann zur heiklen Frage der zu erwartenden Niederschlagsmengen. Man erkennt also an dieser Stelle, dass der Zuverlässigkeit von Wettervorhersagen einfach prinzipielle Grenzen gesetzt sind und dass ab einem gewissen Punkt eine Verbesserung kaum mehr zu erreichen ist. Mit gelegentlichen krassen Fehlprognosen wird man also weiterhin leben müssen - auch wenn es schwer fällt.

Wetterochs

Quelle: http://www.wetterochs.de

 

Hier noch ein paar Bilder vom Eintreffen der höchsten Konzentration an Saharastaub vom 02.04.2014 am Bodensee. (c) der Bilder liegt bei Rainer Blumenstein, Kapitän auf dem Bodensee.

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Meine Spezialgebiete:
Synoptik,Radarmeteorologie,Satellitenmeteorologie, Karten lesen und analysieren,
Radiosondenaufstiege auswerten

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