Sturmlage Sonntag / Montag 09.-10.02.2020 erwartet

Isobarenkarte Sturmlage Montag 101 Februar 2020

Es ist ja mittlerweile so richtig im Umlauf das wir am Sonntag / Montag eine Sturmlage erwarten. Grund ist ein kräftiges Sturmtief, das mit seinem Kern über Norwegen Richtung Finnland zieht. Dabei entsteht auf der Südflanke ein kräftiger Druckunterschied. Zwischen dem Tief und einem Hoch über Spanien ergibt sich ein Druckunterschied von 93 hPa was einem Unterschied von 0.32 hPa / km entspricht.

Nun habe wir einen Druckunterschied über Deutschland errechnet zwischen Hamburg und München von 28 hPa ( 10.02.2020 um 02 Uhr nach dem deutschen Modell ICON ). Das entspricht einen Druckunterschied von 0.05 hPa / km entspricht. Hier mal eine Liste der letzten Stürme der vergangenen Jahre und der gleiche Druckunterschied zwischen Hamburg und München.

  • Kyrill 20 hPa
  • Emma 20 hPa
  • Friederike 15 hPa
  • Gudrun 15 hPa
  • Paula 15 hPa
  • Xynthia 10 hPa
  • Christian 15 hPa
  • Xaver 15 hPa
  • Niklas 10 hPa
  • Burglind 10 hPa

Wir sehen, das sich der erwartete Sturm von seinem Druckgradienten her sich in die Riege von Kyrill und Emma gesellt und dabei womöglich einen stärkeren Druckunterschied aufweist. Ist das nun ein Garant für eine extreme Orkanlage ala Kyrill oder Emma ? Nein ! Denn es spielt nicht nur der Druckunterschied eine Rolle, sondern auch die Dynamik und die synoptische Prognose.

Die stärksten Böen treten oftmals in Verbindung der Kaltfront und / oder eines folgenden Troges auf. Hier herrscht aufgrund deutlicher Zufuhr höhenkalter Luft eine Destabilisierung der Luftschichten was Schauer und / oder gewitter auslösen kann. Dadurch kommt es zu einem vertikalen Impulstransport der den Höhenwind , vor allem aus 850 hPa ( ca. 1.44 km Höhe ) 1:1 heruntermischen kann. So wären dann die Böen im Flachland fast gleich dem Mittelwind in 850 hPa. Wenn es zu diesem Impulstransport kommt. Dieses sah man bei Emma und Kyrill anhand einer Schauer- / Gewitterlinie, die die Kaltfront makierten. Durch Instabilität, vertikaler Windscherung und Energie konnten sich kräftige Gewitter entwickeln, mit den dementsprechenden Folgen. Wie wir sehen ist, der Druckunterschied noch lange kein Garant für eine extreme Sturmlage denn es sind noch andere Dinge erforderlich. Bei Schnelläufer ist der Druckunterschied oftmals sogar schwächer und trotzdem kann es zu Orkanböen kommen.

Bei der erwarteten Sturmlage kommt es jedoch zu einem frühzeitigen Okkludierung der Front ( Bildung der Mischfront ). Dabei kann es passieren, das die Dynamik an Einfluss verliert. So zeigen sich gewissen Indizen einer weniger stark destabilisierte Luftmasse was sich wiederum auf schwächere konvektive Ereignisse ( Schauer / Gewitter ) auswirken könnte. Gewitter werden sogar derzeit gar nicht gerechnet. Allerdings zeigt sich beim vertikalen Temperaturunterschied im Bereich der Kaltfront und dahinter der für eine Labialisierung ausreichen kann. Für Schauer ideal, ob es für Gewitter reicht ist nach wie vor fraglich.

Windprognose

Die Windprognose verschiedener Modelle lässt die kräftigsten Böen eher in den Hochlagen stattfinden, dennoch könnte es im Flachland verbreitet für Sturmböen oder schweren Sturmböen reichen eventuell auch kurzzeitig orkanartige Böen. Am schwächsten wird der Sturm aktuell vom amerikanischen Modell GFS gerechnet während ECMWF das offensive ist. Das deutsche Modell konzentriert sich mit den stärksten Böen auf die Mittelgebirge. Es gibt eine Fausformel die besagt, dass der Mittelwind in 850 hPa in etwa den Böen oberhalb 300 Meter entsprechen könnte.

Wir haben für Euch drei Grafiken unterschiedlicher Modelle ausgewertet mit den möglichen Windgeschwindigkeiten um Mitternacht von Sonntag auf Montag.

Fazit

Eine Sturmlage scheint wahrscheinlich zu sein, weil diese von jedem Modell gerechnet wird. Deutliche Unsicherheiten gibt es noch bei der Intensität des Sturms. Die sogenannten Medienmeldungen von wegen #Monsterorkan etc. sind absoluter Humbug und dienen dazu hohe Klickraten zu produzieren. Lasst Euch also nicht verunsichern und wartet ab. Wir werden Euch weiter auf dem Laufenden halten und rechtzeitig eine Warnung aussprechen.

Über Udo Karow 1780 Artikel
Meine Spezialgebiete: Synoptik,Radarmeteorologie,Satellitenmeteorologie, Karten lesen und analysieren, Radiosondenaufstiege auswerten