+++ UNWETTERALARM SPEZIAL // Warum die Unwetter? Und was passiert am 02. Juni 2016? +++

Aktualisiert am : by Carmen Rommel

+++ Eine kleine spezielle Information warum es zu den Unwettern kam und wie es nun weitergeht +++

von Udo Karow, Vorhersageredaktion

 

In den letzten Tagen sorgte ein Tiefdruckgebiet für einige Unwetter vor allem im Süden. Nun ist ein neues Tief aufgetaucht das sich zu den Unwettertiefs einreiht und uns mit reichlich nass von oben versorgt, wobei man eigentlich sagen muss: zu reichlich! In einigen Gebieten ist es zu Hochwasser gekommen und sogar in Niederbayern zu einem möglichen Rekordhochwasser mit Katastrophenalarm. Auch unsere Nachbarn in Österreich kämpfen mit Wassermassen.

Aber was ist die Ursache?

essen01062016

Die Grafik zeigt einen sogenannten Radiosondenaufstieg. Das sind die berühmten Wetterballone. Die Sondenauswertung zeigt uns einen Querschnitt der Atmosphäre über der Station. Ich habe hier mal den Aufstieg von Essen (Nordrhein-Westfalen) heute Mittag herausgesucht.

Nun zum einen haben wir ein hohes Maß an Feuchte in der Luftmasse und bereits am Boden liegt eine fast 100 % Feuchte vor. Das sieht man an den Kurven. Die rechte ist die Temperaturkurve und die linke die Taupunktskurve. Liegen beide dicht beieinander, so ist die Luftmasse sehr feucht. Das helllila eingefärbte Gebiet ist der sogenannte Cape. Es ist einer der Energiearten, die der Gewitterzelle zur Verfügung steht. Die Hohe Feuchte sieht man aber auch am PWAT! Das ist das vorhandene niederschlagbare Wasser in der Atmosphäre und dieser liegt bei mehr als 30 mm.

Jetzt kommt ein weiteres Problem. Die Strömung! Man sieht, dass selbst in der Höhe keine hohen Windgeschwindigkeiten herrschen. Interessant ist die in 700 hPa, denn diese zeigt uns in etwa die Verlagerungsgeschwindigkeit einer möglichen Zelle. Wir sehen, dass es 20 Knoten sind also etwa 40 km/h. Das ist in etwa die Verlagerungsgeschwindigkeit der möglichen Zelle. Das heißt, dass die Zellen nicht so schnell unterwegs sind und auch längere Zeit an einem Ort verweilen können und somit einiges an Wasser zurück bleibt. Das ist dann der Starkregen.

Im allgemeinen kann man zu diesem Aufstieg sagen, dass er feuchtlabil ist. Das bedeutet, dass hier das Potential für Gewitter vorhanden ist. Das zeigt z.B. auch der Konvektionsindex ( K-Index ( KINX ) mit 27.2, was bedeutet, dass zahlreiche Schauer und Gewitter möglich sind.

Nun in der Gewittervorhersage sind eine vielzahl an Parameter zu beachten. Bei unserer derzeitigen Wetterlage ist es kaum möglich die möglichen Schwergewitter regional einzugrenzen. So wird es auch am morgigen Donnerstag, den 02.06.2016 sein.

zentraleuropakarte02062016vorschau

Das Tief Friederike liegt über Deutschland und sorgt weiterhin für die Zufuhr feuchtwarmer Luftmassen aus Osteuropa. Auch aus dem Mittelmeerraum kommt etwas feuchtwarme Luft an. Vom Atlantik wird noch kühlere Luft herangeführt. Im Bereich der Bodentiefs werden sich dann erneut teils kräftige Schauer und Gewitter ausbilden, die unter Umständen erneut Unwetterpotential haben können. Der hohe Feuchtegehalt der Luftmasse bleibt bestehen und auch die Verlagerungsgeschwindigkeit bleibt eher gering.

Dort wo es heute einigermaßen ruhig geblieben ist, sind dann morgen Gewitter möglich wie im Südosten von NRW oder Rheinland Pfalz. Somit gibt es derzeit keine größere Entspannung in den Hochwassergebieten.

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Meine Spezialgebiete: Synoptik,Radarmeteorologie,Satellitenmeteorologie, Karten lesen und analysieren, Radiosondenaufstiege auswerten