Zuerst war es ein ganz normaler Winter…..78/79

Letzte Aktualisierung by Angelo D Alterio

Die ältere Generation wird sich noch an den Winter 1978/79 erinnern. Er begann als ganz normaler Winter und endet in einer Katastrophe. Der Norden von Deutschland war komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Meter hohe Schneeberge,kein Strom und teilweise auch keine Wärme mehr. Wir haben für euch ein Augenzeugenvideo aus dem Jahre 1978 gefunden, und für alle die wissen wollen,was WINTER bedeutet, sollten sich dieses Video genau anschauen.Schneekatastrophe Winter 1978/1979 in Ostfriesland

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Über Angelo D Alterio 3411 Artikel
Seit 2013 bin ich verantwortlicher Gesellschafter bei der Unwetteralarm Schweiz GmbH. Meine Leidenschaft ist die Meteorologie. Meine Spezialgebiete sind neben Unwetterwarnungen, auch Marketing, Medienmeteorologie und Produktmanagement . Geboren in den 1970er Jahren im hessischen Bad Vilbel

11 Kommentare

  1. Wir wohnten damals in einem kleinen Dorf in Schleswig- Holstein im Kreis Rendsburg- Eckernvörde.
    Wir Kinder waren draussen kaum zu sehen zwischen den hoch aufgeschaufelten Schneebergen rechts und links von der Straße.
    Ich kann mich noch sehr gut erinnern, daß wir uns vorwiegend in der Küche aufgehalten haben, da dort ja der große Kohleofen stand und daß dies der wärmste Platz im Haus war.
    Soweit ich weiß, wurde auch alles zu Brennholz verarbeitet was möglich war.
    Es gab bei unserem Kaufmann auch fast keine Lebensmittel mehr.
    Alle Männer und auch viele Frauen und Kinder ständig, aber in einer einmaligen Gemeinschaft, am Schnee schippen und Kilometerlange Wege zu Fuß unterwegs um Nahrung, oder zumindest Milch für die Kleinen zu besorgen.
    Schwangere, schwer Kranke wurde mit Hubschraubern der Bundeswehr in Krankenhäuser gebracht und und und.
    Und irgendwie war es ein wundervoller Winter, da alle zusammenhielten, jeder jedem half, keiner allein gelassen wurde, Leute, die verstritten waren wieder miteinander sprachen und und und.
    Das, was davon aber geblieben ist: Wenn es wirklich darauf ankommt, dann sehen wir doch unseren Nächsten.

  2. Meine Tochter wurde im November 1978 geboren und ich musste zurzeit dieser Schneekatastrophe immer mit ihr nach Eppendorf ins Krankenhaus. Nichts schlimmes, nur der Weg war immer furchtbar mühsam mit dem Kinderwagen. Und abends immer TV geguckt, um zu sehen, wie hoch der Schnee auf dem Land liegt, denn in der Stadt wurde ja geräumt, so gut es eben ging.

  3. So schlimm es auch war, es war trotzt dem wunderbar. Gingen zu Fuß zum Einkaufen und zur Arbeit, Lebensmittel wurden zwar knapp, doch keiner ist verhungert, Jeder half jedem, alle waren eine Gemeinschaft. Die ich leider bis heute nicht mehr so wieder erlebt habe, schade. Die Bundeswehr war eine große Hilfe bei uns, doch wie wäre es heute?

    Vielen Dank, für diesen tollen Bericht.

  4. Ich war bei meiner Oma in Esens/Ostfrießland, wie eigentlich immer in den Ferien. Ich weiss noch aus Erzählungen, das meine Eltern und meine Schwester mich aus NRW abholen mussten, da nach Sylvester die Schulferien zu Ende waren. Mama musst teilweise vorm Auto herlaufen um den Weg zumindest Ansatzweise zu finden. Soweit wie ich mich erinnere, waren Sie dann Abends Sylvester endlich da und so konnten wir noch zusammen feiern. So lange haben Sie noch nie gebraucht um den Weg von 180km zu fahren. Da meine Oma einen Kohleofen hatte, brauchten wir auch nicht zu frieren… 🙂

  5. Wir sind mit unseren Kindern am 21.12. 1978 zu meinen Schwiegereltern nach Torgelow gefahren um dort die Weihnachtsfeiertage gemeinsam zu verbringen. Am 27.12. 1978 wollten wir wieder nach Hause nach Schwedt/O. fahren und Silvester mit Freunde feiern. Wir sind nur bis Pasewalk gekommen mit dem Bus. Beide Fernzüge, die sich sonst in Pasewalk trafen waren in hohen Schneewehen stecken geblieben. ( Strahlsund-Berlin und Berlin- Strahlsund) Der Busfahrer der eigentlich bis Prenzlau fahren sollte, bot uns an mit nach Torgelow zurück zu fahren. Wir nahmen das Angebot an, schon wegen der Kinder. In den Nachrichten sahen wir dann später das es noch viel schlimmer war als wir mitbekommen hatten. Reisende aus den Zügen die stecken geblieben waren wurden durch die NVA geborgen die überall im Einsatz waren. Als wir im neuen Jahr nach Hause kamen, hatten wir in unserer Wohnung Eisblumen an den Fenstern(von innen) die Heizung war ausgefallen. Der öffentliche Busverkehr war zum erliegen gekommen. Die Stassen wurden von Planierraupen von Schnee und Eis befreit. Ende Januar normalisierte sich die Lage ein wenig.

  6. Ich wohnte damals in Neuwittenbek, Nähe Nord-Ostseekanal Sylvesterfeier im „Hühnerstall“ auf Radbruchs Bauernhof. Mit dem Moped 50er jamaha Crossbike konnte man sich wenigstens auf dem Acker neben den Straßen bewegen. Zur Erklärung für Menschen die sich nicht im Norden auskennen, Hier im Norden sind Links und Rechts der Landstraßen Erdwälle die mit den verschiedensten Gewächsen (Pappeln ,Buchen, Haselnuss, Holunderbeeren, Brombeeren und anderen leckeren Fruchtträgern) bewachsen sind . Durch den kräftigen Wind wurde der Schnee verweht und sammelte sich zwischen diesen „Knicks“ ! Folge, die Wege zu den grösseren Ortschaften mit Bäckereien, Lebensmittelgeschäften und Medizinischen Hilfsmitteln, waren bis in die Höhe von 3 Metern vom Schnee versperrt. Im darauf folgenden Jahr befragten uns Radtouristen warum in drei bis vier Metern die Knickpflanzen (Bäume und Strauchpflanzen) ohne Rinde waren! Die zweifelnden Gesichter und Zeigefinger die an die Stirn getippt wurden kann man nicht zählen ! Wie soll man auch verstehen, das die Baum und Buschrinden in 3 bis 4 Metern Höhe, von Kaninchen und anderen Wildtieren abgeknabert wurden. Dicht am N-O Kanal wohnend, war der nächste Ort (Suchsdorf), in dem man auf Brot und Backwaren (und auch auf Medikamente) hoffen konnte. der Hinweg mit (leerem) Schlitten und Rucksack, war über dem zugefrorenem Kanal einfach( ca. 3,5 Km). Der Rückweg (mit vollem Gepäck) war nicht wegen des hohen Gewichts schwieriger, in der Zwischenzeit hatte ein Frachter die geschlossene Eisdecke durchfahren. Die Folge: mit vollem Gepäck den „Umweg “ über die Levensauer Hochbrücke (5 bis6 Km mehr) . Vor dem Bahnhof (damals noch nutzbar) blieb ein Räumzug stecken. Eine Schneewehe mit ca.6 Metern Höhe verhinderte die Weiterfahrt. Schade das es damals noch keine Multifunktionsgeräte wie Smartphones gab. Das Bild eines Zuges der einige Zentimeter über den Gleisen im Schnee steckt und dahinter das „Werbeschild“ der Bahn; Alle reden vom Wetter, WIR NICHT! wäre doch der „Brüller“! Übrigens, es gibt eine CD- Schnee von Gestern – der Blick auf die Schneekatastrophe 1978/79 Film von Claus Oppermann und Gerald Grote, dort sind auch Filmaufnahmen aus Mecklenburg-Vorpommern aus dieser Zeit zu sehen.

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